Seminararbeiten Gender Studies

Auf dieser Seite findet Ihr einige meiner Arbeiten (Seminararbeiten aus Gender Studies 2008 - 2009)

SCHÖNHEITSIDEAL & SEINE FOLGEN

BLICKEN - SEHEN - ERKENNEN

GLEICHHEIT - DIFFERENZ

GRETCHENFRAGE UNSERER ZEIT

 

 

Das Schönheitsideal und seine Folgen

Schönheitsideal und Privatleben

(Mag. Sarah Marisa Gruber)

 Exemplarische Vertiefung spezifischer Aspekte der alltagsweltlichen Herstellung und Bedeutung von Geschlecht (Schönheitsideal und Körperkult) LV 840.223, 2 SE, SS 2008, LV-Leiterin: Waltraud Posch

 

 INHALTSVERZEICHNIS


 

1. Einleitung

1.1 Der Maßstab aller Dinge

2. Schönheit und Selbstwert oder der Ich-tu-es-für-mich Mythos

2.1. Die Maria Magdalena der Schönheit

3. Schönheit und (Frauen- )Freundschaft

4. Schönheit und Partnerschaft

5. Schönheit und Sexualität..

6. Conclusio

7. Bibliografie

 

1. Einleitung:


Schönheitsideale gab es zu allen Zeiten. Sie sind nicht einheitlich, sondern historische Variablen, die sich verändert haben und weiter verändern. Heutzutage beeinflussen vor allem marktwirtschaftliche Faktoren unser Schönheitsideal; werden doch die Geldbeutel der Werbebranche, Sportindustrie, Bekleidungsindustrie, Kosmetik- und Pflegeindustrie, Diätbranche sowie Schönheitschirurgie dadurch gefüllt, dass Frauen und Männer versuchen dem gängigen Schönheitsideal zu entsprechen. Schönheitsideale sind zumeist auch mit Glücksversprechen verknüpft, und werden als Lösung für Probleme mit dem eigenen Selbstwertgefühl oder bei sozialen Kontakten heran gezogen. Seien es unbewusste Gedanken, oder ausgesprochene Bekenntnisse, doch Sätze wie „Wenn ich erst richtig schlank/trainiert bin, dann... finde ich den/die Richtige(n) /habe ich besseren Sex, bin ich glücklich, gelingt mir alles, sind alle mit mir zufrieden, habe ich beruflichen Erfolg, gehöre ich dazu!“ sind unleugbar Bestandteile unseres Alltages geworden. Hinzu kommt die moralische Wertung von Äußerlichkeiten: Im Märchen sind die Schönen die Guten. Die Hexe ist krumm und hat eine Warze, die herzensgute Prinzessin jedoch anmutig und schön. Schön zu sein im Märchen, bedeutet nicht weniger als von allen geliebt zu werden. Märchen sind Spiegel unserer Kultur; und auch wenn immer weniger Eltern die Gebrüder Grimm als Bettlektüre für ihre Kleinen wählen, hat sich an dem von Kindesbeinen an gereiften Wunsch schön zu sein, und damit von allen geliebt zu werden, wenig verändert. Wir setzen Schönsein mit Glücklichsein gleich, und sind zutiefst unglücklich wenn wir uns nicht schön fühlen. Diese Dynamik nimmt unleugbar Einfluss auf unser Privatleben; in welcher Form, soll nun in den folgenden Kapiteln genauer erörtert werden.

 

1.1 Der Maßstab aller Dinge


Ressourcen die nicht jedermann zur Verfügung stehen sind zwangsläufig erstrebenswert und kostbar. Dies gilt für Edelmetalle ebenso wie Schönheitsideale: Die runde wohlgenährte Frau im Mittelalter musste nicht am Feld arbeiten und nicht hungern, war also eine Rarität und daher Idealmaß. Heute gilt dies für die fettfreie, muskulöse, haarlose Kindfrau. Allem Büroalltag und daraus resultierendem Bewegungsmangel zum Trotz hinterlässt die Zeit scheinbar keine Spuren an ihrem Körper oder ihrem Gesicht. Die gebräunte Haut und der trainierte Körper stehen im Widerspruch zu den täglichen Anforderungen des westlichen Alltages. Dennoch kennt jeder diesen Maßstab aller Dinge - aus dem Fernsehen. Stellvertretend für unsere Sehnsucht nach Glück prägt Werbung entscheidend unsere Sehnsucht nach körperlicher Schönheit. Sie zeigt makellose Menschen die auf Grund eines gewissen Produktes Spaß, Liebe und Abwechslung erfahren. Werbung verspricht Glück, und als Medium benutzt sie schöne Menschen. Daher wird Schönheit oft mit Glück und Medienbilder mit der Realität verwechselt (vgl. Haaf, Klingner, Streidl 2008: 51). Bevor Massenmedien Einzug in jeden Haushalt hielten, entsprang das Bild eines Durchschnittsmenschen dem direkten Umfeld. Zwar gab es „Dorfschönheiten“, aber der Großteil waren Menschen wie du und ich. Heute sehen wir in Zeitschriften, in Film und Fernsehen mehr Menschen als im realen Leben – und diese Menschen sind meist digital bearbeitet, gecastet und haben Schönheit zu ihrem Beruf gemacht. Unsere Vorstellung davon was „normal“ ist, hat sich daher in den letzten Jahrzehnten radikal verändert. Zur Twiggy der 60er Jahre gesellte sich Lara Croft, - die durch und durch fiktive Frau. Unreflektiert wird ein neuer Standard akzeptiert, der vom Mensch aus Fleisch und Blut nicht mehr erreicht werden kann. Auf verlorenem Posten beziehen wir Stellung.

 

2. Schönheit und Selbstwert oder der Ich-tu-es-für-mich Mythos


Bei einer Umfrage der Zeitschrift Brigitte aus dem Jahre 2001 (Degele 2004:17) gaben nur 3% der 28 000 befragten Frauen an, sich für andere schön zu machen. 94% hingegen gaben an sich wohler und selbstsicherer zu fühlen wenn sie sich „schön machen“.

Die Privatheitsideologie suggeriert, Menschen machten sich für sich selbst und nicht für andere schön. Dieser Eindruck ist laut Nina Degele, Soziologie Professorin an der Universität Freiburg, jedoch falsch. Schönheitshandeln sei kein privates Handeln. Denn der Effekt dieses Tuns, die äußere Erscheinung, wird registriert und kommentiert, kurz gesagt: an sie wird kommunikativ angeschlossen. Schönheitshandeln verlangt nach dem Blick der anderen und ist daher ein Akt der Kommunikation. Laut Degele wird durch die bewusste Gestaltung und Inszenierung des Körpers dieser zu einer symbolischen Ressource, mit dessen Hilfe die wachsenden Schwierigkeiten, ein kohärentes Selbst darzustellen, bewältigt werden sollen. Identität basiert laut dieser Annahme auf der Bildung und Sicherung wechselseitiger Anerkennung und ist damit an gesellschaftlichen Normen orientiert. Schönheitshandeln ist daher ein sozialer Prozess um (Annerkennungs-) Effekte zu erzielen; und somit alles andere als auf das praktizierende Individuum begrenzt (vgl. Degele 2004: 17- 18). Unter diesem Aspekt kann die Aussage „Ich mache mich für mich schön“ nicht mehr als valid eingestuft werden, da hinsichtlich ein Effekt (unbewusst) erwartet wird.

Der erfolgsorientierte Charakter von Schönheitshandeln wird offenkundig wenn körperliche Ressourcen, Kleidung und Stilisierungskompetenzen dazu eingesetzt werden, um Erfolge im Sozialen zu erzielen; auch wenn diese „Erfolge“ nicht klar als solche zu erkennen sind. Ein gutes Beispiel hierfür ist der „Wohl-fühl-Faktor“. Laut Degele wird in der Diskussion um Schönheit und Privatheit früher oder später stets der Bezug zum sich-wohl-fühlen hergestellt. Wohlfühlen kann dabei für verschiedenes stehen; sowohl für Bequemlichkeit der Kleidung und Authentizität, für Entsprechung an gesellschaftliche Erwartungen, für angenehme Erschöpfung nach sportlicher Anstrengung, oder auch für Gesundheit (vgl. Degele 2004: 91- 92). Die von Degele Befragten steigerten durch den Prozess des sich Schminkens, oder nach sportlicher Betätigung ihr Wohlbefinden. Schönheitshandeln wird in diesem Fall zum Mittel das Wohlbefinden zu steigern.

Dies wiederum hat eindeutigen Einfluss auf Ausstrahlung und Auftreten. Somit wird Schönheitshandeln zur manipulativen Strategie um das Wohlbefinden zu steigern. Ebenso wie das Schminken wirkt das Tragen der richtigen Kleidung als Selbstvertrauens verstärker.

Es stellt sich die Frage: Was bedeutet richtig? Richtig für wen? Erneut wird die Zentriertheit auf das eigene Ich als Illusion entlarvt: sich Wohlfühlen hängt im großen Ausmaß mit der Anpassung an gesellschaftliche Erwartungen zusammen. Man achtet darauf alters- schicht- und situationsspezifisch richtig angezogen oder geschminkt zu sein. Man fühlt sich wohl wenn man sich an gesellschaftlichen Erwartungen orientieren, und diesen auch entsprechen kann. Obwohl Wohlfühlen scheinbar auf das Individuum bezogen ist, wird der soziale Kontext ständig unterbewusst mitberücksichtigt (vgl. Degele 2004: 92). Scheinbar instinktiv kleiden sich Frauen ab einem gewissen Alter weniger freizügig, schminken sich weniger auffällig und fallen weniger aus dem optisch normierten Rahmen. Ebenso fällt es kaum jemandem ein in Sportkleidung sein berufliches Umfeld zu betreten. Aber ist es tatsächlich so dass diese „Regeln“ auf völliger Freiwilligkeit basieren? Ist es nicht eher so dass wir uns unangemessen gekleidet/geschminkt einfach nicht wohl fühlen? Nina Degele fasst diese Wechselwirkung äußerst treffend zusammen wenn sie meint „Wohlfühlen operiert damit als Scharnier zwischen Individuum und Gesellschaft, zwischen Fremd- und Selbstverhältnis“ (Degele 2004: 95).

 

2.1. Die Maria Magdalena der Schönheit


Es bleibt also fraglich ob Frauen sich seit der feministischen Bewegung der siebziger Jahre tatsächlich von Schönheitsidealen der Außenwelt emanzipiert haben. Aber welche moderne Frau kann sich eingestehen dass sie nach wie vor ihr Knie vor einer männerdominierten Medienwelt beugt? Daher ist es Trend geworden Beeinflussung zu leugnen. Genau darauf zielt die Marketingstrategie der Kosmetikfirmen und der Schönheitschirurgie ab: Anstatt wie in Mutters Zeiten mit gesteigerter Attraktivität für den Ehemann zu werben, haben sich Konzerne wie Loreal auf Slogans wie „Weil ich es mir wert bin“ verlagert. Das Resultat ist die eingangs erwähnte Brigitte Studie laut derer 94% „es sich selbst wert sind“. Selbst Operationen schwindeln sich, getarnt als Autonomie, in den Bereich des für die moderne Frau Möglichen. Als Ausdruck emanzipierter Kontrolle über den eigenen Körper – und scheinbar über das eigene „Schicksal“ – liegt es an der modernen Frau von heute ob sie den zu kleinen Busen akzeptieren will oder nicht (vgl. Haaf, Klingner, Streidl 2008: 52-53). Biology is no longer destiny; so oder so ähnlich lauten viele Werbeslogans.

Gisela Schulz-Erker benennt in ihrem Buch Frauen, Öffentlichkeit und das Problem der Macht (1995) jedoch den größten Feind der Frau: die innere Angst selbst Schuld zu sein. „Die Angst vor dem Schuldigsein markiert die Grenze die sie (Anm: die Frau) selbst in ihrem Handeln nicht übertreten darf“ (1995: 41). Physische Attraktivität ist kein Indikator für Selbstachtung, Zufriedenheit oder Glück. Die omnipräsente Werbeflut suggeriert jedoch dass wenn frau nicht schlank, nicht trainiert oder nicht geschminkt ist, sie „es sich nicht wert ist“, sie selbst daran schuld ist wenn ihr der versprochene Spaß, die Liebe, das Abendteuer in ihrem Leben fehlen. Auf den ersten Blick scheint dies beinah zu banal um wahr zu sein – man darf jedoch die Macht der Suggestion niemals unterschätzen. Laut den Autorinnen des Werkes Wir Alphamädchen - Warum Feminismus das Leben schöner macht (2008) verbringen Deutsche durchschnittlich zehn Stunden pro Tag mit Medien: Fernsehen, Radio, Zeitungen, Zeitschriften, Büchern, Musik, Filmen und Internet (vgl. Haaf, Klingner, Streidl 2008: 115). Es wäre naiv zu glauben dass diese Flut an Informationen und Eindrücken, die wir aktiv und passiv aufnehmen, unser Denken und Handeln, unsere Wahrnehmung und unsere Meinung nicht beeinflusst. Einerseits suggerieren uns also Medien dass „wir es schaffen können“; der Umkehrschluss schiebt uns jedoch die alleinige Verantwortung zu wenn wir „versagen“.

 

3. Schönheit und (Frauen-) Freundschaft


"Spieglein, Spielglein an der Wand, wer ist die Schönste im Ganzen Land?"

 fragt die Königin im Märchen Schneewittchen; und hält uns damit einmal mehr den kulturellen Spiegel vor die Nase: der Bereich der körperlichen Schönheit ist eines der wenigen Gebiete in denen Frauen bereitwillig Ehrgeiz, Aktivität, Konkurrenzfähigkeit und Willensstärke zugestanden wird.

In den meisten anderen Bereichen wird solch direktes Konkurrenzdenken sozial sanktioniert

1. Nun scheint es so zu sein, dass das Schönheitsdenken Frauen voneinander differenziert: wer dem Ideal mehr als man selbst entspricht wird beneidet, wer dies ganz und gar nicht tut, wird abgewertet. Die Autorin Waltraud Posch fasst dieses Phänomen wie folgt zusammen:

// Das Schönheitsdenken wirft alle Frauen in einen Topf und bewertet sie nach denselben Normen. […] Es veranlasst Frauen dazu, sich solange als Feindinnen einzuschätzen, bis sie sicher sein können, Freundinnen zu sein. Das erschwert eine Identifikation auf einer über-persönliche Ebene (Posch 1999: 126).

Bei der ersten Begegnung von Frauen wird also taxiert und bewertet: Ist diese Frau konkurrenzfähig? Habe ich von ihr etwas zu befürchten? Tatsächlich wird dabei jedoch vorerst nur die körperliche Erscheinung in Betracht gezogen, - die symbolische Ressource von der Nina Degele spricht. Bevor es zu verbaler Interaktion kommt, wird der metakommunikative Prozess begonnen der jegliche Privatheitsideologie unglaubwürdig macht.

Eine Erklärung für diese weithin bekannte „Stutenbissigkeit“ ist, dass Schönheitsimperative besonders bei Frauen wirksam werden, da diese über den geringeren Status verfügen und dies durch Schönheit kompensieren müssen (vgl. Posch 1999: 128-133). Während Männer ihre Attraktivität mehr von ihrem Handeln und ihrer Ausstrahlung abhängig machen (können) bewerten Frauen ihre Anziehungskraft mehr auf der Grundlage körperlicher Merkmale.

Vereinfacht gesagt wird also „nach unten getreten“ um die soziale Position zu sichern. Schönheitshandeln wird somit zur (unbewussten) manipulativen Strategie der weiblich narzistischen Persönlichkeit (vgl. Posch 1999: 127). Gisela Schulz-Erker erklärt den weiblichen Narzissmus als Arrangement mit dem weiblichen Objektstatus. Das Verharren in der „töchterlichen Existenz“ (1995: 41) lässt die „normal-narzistische“ Frau stetig nach Liebe und Anerkennung hungern, denn dies entspricht unterbewusst dem Besitz des Phallus, beziehungsweise der Bestätigung durch den Vater.

Die Vorstellung über den idealisierten Fetisch zu verfügen, muss immer neu durch weitere Liebeszufuhr bestätigt werden. Laut Schulz-Erker ist das Selbstbild von Frauen stark mit dem Wunschbild des Vaters verkettet: dieser duldet keine Konkurrenz zwischen Töchtern und Söhnen – er will nicht dass die Tochter so weit springen, so schnell rechnen oder so stark sein kann wie der Sohn; ist jedoch gerne bereit sie zur „Prinzessin“ zu machen. Laut Schulz-Erker schrecken Frauen daher generell vor offenem Konkurrenzdenken zurück, sind aber doch von der stetigen Angst verfolgt nicht die Wichtigste, die Einzige, die Liebst oder Schönste zu sein (vgl. Schulz-Erker 1995: 40-43). Diese Abhängigkeit macht Frauen sanft und geduldig, geschmeidig und formbar gegenüber Männern, jedoch unerbittlich gegenüber andern Frauen, „denn Schönheit ist ein knappes Gut […] und als knappes Gut provoziert Schönheit Konkurrenz“ (Posch 1999: 126). Was ist jedoch mit dem verbindenden Element des Schönheitshandelns? Frauen zelebrieren Rituale der Schönheit seit Urzeiten miteinander, seien es das Flechten der Haare, das Lackieren der Nägel, oder der gemeinsam genossene Tag im Spa. Auch in zeremoniellen Praxis finden sich Beispiele von Schönheitsritualen die ausschließlich von Frauen mit Frauen begangen werden, wie zum Beispiel das Schmücken der Braut oder „Coming of Age“ Rituale wie der 16te Geburtstag oder Debütantinnen Bälle (vgl. Posch 1999: 126).

Waltraud Posch löst sich die Verbundenheit die in solchen Ritualen zum Ausdruck kommt in Alltagssituationen jedoch schlagartig auf (vgl. Posch 1999: 127).

 

4. Schönheit und Partnerschaft - Survial of the Prettiest?


Eingangs sei erwähnt, dass diese Abhandlung sich ausschließlich auf herosexuelle Dynamiken bezieht, und nicht allgemeine Gültigkeit beansprucht.

Obwohl immer mehr Männer Bekanntschaft machen mit "Idealmaßen", ist der Schönheitsimpetus immer noch vorwiegend ein Problem des "schönen Geschlechtes" .

Nicht zuletzt liegt es wohl daran, dass laut Studien "Schönheit" nach wie vor ein entscheidendes Kriterium bei der Partnerwahl ist, jedoch ungenannt bleibt bei befragten Frauen ( vgl. Posch 199:128)

Von Kindheit an sind Frauen Zeuginnen eines  hierarchischen Gefälles der Geschlechter: Der Eheimpetus der Vergangenheit hat seine Spuren hinterlassen (vgl. Haaf, Klingner, Streidl 2008: 119).

So sicher wie am Ende jedes Märchens die Prinzessin vor den Altar geführt wird, so sicher sind viele Frauen von heute von Müttern von gestern zu heiratsfähigen Mädchen erzogen worden.

Der Eheimpetus scheint eng mit dem Konzept der "töchterlichen Existenz" von Gisela Schulz-Erker verwandt zu sein: Die Angst "keinen Mann ab zu bekommen" ist die Angst dem Vater zu missfallen:

Wenn wir nicht lieb und adrett sind, gefallen wir nicht.

"Du  wirst übrig bleiben"  wurde Frauen angedroht wenn sie nicht dem Rollenbild entsprachen;  die versteckte Botschaft lautete also: Wenn du dem Mann (im Haus) nicht gefällst, , wirst du einsam und unglücklich sein. Also"reißen" wir uns zusammen "lebenslang" und haben vielleicht schon vergessen warum.

Zurück bleibt laut Naomi Wolf eine latente Feindseligkeit: Warum sollen Männer das Recht haben Frauen zu bewerten und zu vergleichen und ein Urteil über sie zu fällen? Trotz moderner Zeiten, trotz scheinbarer Gleichberechtigung, werden Frauen immer noch nach normierten Äußerlichkeiten bewertet (vgl. Wolf 1991: 241) – und (unsere) Männer sind allzu oft die Schiedsrichter. Ein Grund hierfür könnte laut Evolutionsbiologen sein, dass körperlich schöne Frauen schon immer einen Fortpflanzungsvorteil gehabt haben, weswegen wir auch heute noch nach maximaler Schönheit streben.

Männer müssen also stark sein, Frauen aber schön? 

Dagegen sprechen Untersuchungen wonach schönere Menschen zwar öfter als sexuelle Wunschpartner genannt werden, sie aber extrem schlechte Werte bekommen, wenn die Befragten ihre familiären Fähigkeiten einschätzen sollen; keine Wunsch-Mütter also. Es ist daher nahe liegend, dass die Beurteilung von Frauen nach Kriterien der Schönheit nichts ist, das in der Natur der Männer liegt (vgl. Haaf, Klingner, Streidl 2008: 48).

Viel wahrscheinlicher ist die These von Waltraud Posch, dass eine schöne Frau für einen Mann vor allem eines ist: ein Statussymbol. Tatsächlich geht es dabei weniger um den persönlichen Erwerb einer schönen Frau, sondern viel mehr um die Anerkennung durch andere Männer. Der „Besitz“ einer schönen Frau wird dem Mann als „Leistung“ angerechnet und sein Sozialprestige dadurch gesteigert (vgl. Posch 1999: 129).

Die symbolische Ressource Körper wird zum meta-kommunikativen Medium nicht nur für die Frau selbst, sondern auch für den Mann an ihrer Seite. Tatsächlich gibt es Männer, die der Gedanke an die Bewunderung ihrer Kumpane mehr erregt als die reale Frau an ihrer Seite.

Ähnlich wie der Kauf eines neuen Wagens, liegt die Wichtigkeit nicht in dem eigentlichen Objekt, sondern in der Bedeutung die von anderem einem solchen Objekt zugeschrieben wird. Wenn Männer von Symbolen (Aussehen) stärker erregt werden als von der eigentlichen Sexualität einer Frau, sind sie Fetischisten, da sie einen Teil (Schönheit) wie das Ganze (Frau) behandeln (vgl. Wolf 1991: 246)2.

Im Ausgleich dazu sind Männer für Frauen immer noch ein "Ticket nach oben"

Ob in den Medien oder im eigenen Umfeld der Tauschhandel weibliche Schönheit gegen männliche Macht ist allgegenwärtig. ((vgl. Posch 1999: 130)

Dennoch ist es laut Naomi Wolf so, dass "ausschließliche Beschäftigung mit ihrem Äußeren" unter den vier "nervigsten" Eigenschaften von Frauen rangiert.

Das Paradoxon lässt sich einfach an folgendem Beispiel darstellen: Eine starke, moderne Frau verwandelt sich unversehens mittels Badezimmerwaage in all das, welches ihr Jahrhunderte an den Hals gedichtet wurde: eine hysterische, kindische Hexe (vgl. Wolf 1991: 238-241). Die binäre hierarchische Opposition Mann gleich Ratio, Frau gleich Irratio kann durch einen Bikinikauf, oder durch zu enge Jeans ausgelöst werden. Naomi Wolf benennt dieses Spiel sehr treffend:

Der irrationale Schönheitsmythos erreicht, dass der Satz "Du bist schön" der dem "ich liebe dich" sehr nahe steht, weil er Mann und Frau in gegenseitiger Achtung verbindet, vergiftet ist. Ein Mann kann einer Frau  nicht sagen, dass er sie gern ansieht, ohne sie unglücklich zu machen.

Wenn er es aber nicht sagt, ist sie auch unglücklich. Und die glücklichste unter den Frauen, die, der gesagt wird,  dass man sie liebe, eben weil sie "schön" sei, plagt sich mit der Unsicherheit herum, ob sie nur deswegen geliebt wird, weil sie "schön" ist. (Wolf 191:241)

Naomi Wolf macht uns darauf aufmerksam, dass durch die Macht, die wir dem Schönheitsmythos verliehen haben, wir uns emotional auf dem Silbertablett ausliefern: Wenn es ein bestimmtes Aussehen gibt das geliebt wird, dann ist es austauschbar (vgl. Wolf 1991: 242). Zum Thema Liebe, Partnerschaft und Schönheit sei abschließend zu sagen: Der Grund warum wir immer fort um Schönheit eifern, ist doch zu aller erst der Wunsch nach Liebe und Akzeptanz. Tatsächlich ist es aber so, dass Schönheit ohne Distanz nicht existieren kann.

"Für eine schöne Frau erhöht sich höchsten die Chance auf Liebe und das nur insofern, als ihr ihre Schönheit das Kennenlernen von Menschen erleichtern kann " (Posch 1995:133) 

schreibt Waltraud Posch. Schönheit ist also eine Möglichkeit das Kennen lernen zu erleichtern. Was geschieht jedoch wenn der erste Schritt getan, und körperliche Nähe – die Feindin jeder distanzierten Schönheit – unvermeidbar wird? Ist Schönheit eine notwendige Krücke für Intimität?

  

5. Schönheit und Sexualität


Für jemanden zu sorgen darf kein low-prestige Job sein, sondern muss aufgewertet werden! Kinder, Alte, Kranke sind die "Schwächeren" der Gesellschaft. In einer Familie wird das schwächste Glied beschützt und dies ist eine ehrenhafte und keine minderwertige Aufgabe. Nur durch ein echtes Miteinander, Flexibilität und Umdenken von Politik, Wirtschaft und dem/der einzelnen könnte man eine neue Vereinbarkeit erreichen, und keiner verliert, sondern alles gewinnen.>

Für erfüllte Sexualität ist Schönheit entsprechend dem Ideal keineswegs erforderlich, darin sind sich alle einig (Posch 1991: 132, Wolf 1995: 244, Schwarzer 2007: 111).

"Die Männergesellschaft schafft objektiv ein Frauenbild, das den meisten Männern subjektiv missfällt. Ideologie sticht Realität" schreibt Alice Schwarzer in ihrem neuesten Buch Die Antwort (2007:111) und stimmt damit mit Naomi Wolf überein, die hinzufügt: "Ganz im Gegensatz zu dem was der Schönheitsmythos verspricht,stimuliert und befriedigt der Schönheitsmythos sexuelles Begehren nicht

"Indem er eine Vision an die Stelle einer wirklichen Frau setzt, wirkt er betäubend, er reduziert alle Sinne bis auf das Sehen, und auch das Sehen schränkt er ein“ (Wolf 1995: 244). Denn perfekte Schönheit muss entrückt, unerreichbar und abstrakt sein, und hat mit sexueller Anziehungskraft, Begehren und Lust nur solange etwas zu tun, solange Sexualität nicht konkret und das Begehren nicht erfüllt wird. Denn sobald Sexualität konkret wird, ist das Sehen nebensächlich – Geruch, Geschmack und der Tastsinn sind es, die uns befriedigen (vgl. Posch 1999: 132). ..

Auf eine weitere Konsequenz der alltagsweltlichen Herstellung von Schönheitsidealen in Bezug auf Privatheit sei hier hingewiesen: Den Einfluss der Medien in Form von Pornografie auf das Sexualleben des Einzelnen.

In Wir Alphamädchen wird dieser Einfluss sehr anschaulich dargelegt:

Der Evolutionsbiologe Karl Grammer wies in einem Experiment nach, wie schnell das Frauenbild aus den Medien ins Leben hüpft. Männer stellten, nachdem sie einige Folgen der Fernsehserie "Drei Engel für Charlie" gesehen hatten, höhere Anspüche  an die Attraktivität und Sexualität einer Frau als die Kontrollgruppe, denen "Daisy Duck" gezeigt wurde.(vgl. Haaf, Klingner, Streidl 2008: 50).

Was also passiert wenn Millionen Konsumenten der Pornoindustrie täglich mit großbusigen, makellosen und scheinbar mühelos zu befriedigenden Porno Schauspielerinnen konfrontiert werden? 

Schönheit wird folglich mit sexueller Attraktivität gleichgesetzt. Autorin Naomi Wolf nennt " Porn the wallpaper of our lives now " und macht ihre Leser darauf aufmerksam, dass  "all this sexual imagery in the air does not mean that sex has been liberated"  (Wolf 2003)

Sie vergleicht die Flut an sexuellen Bildern mit "junk food" und stellt ähnlich wie Michael Moore in "Super Size Me"  folgenden Zusammenhang auf: "

"If your appetite is stimulated and fed by poor-quality material, it takes more junk to fill it up. People are not closer because of porn but further apart; people are not more turned on in their daily lives but less so." (Wolf 2003)

Wird Schönheit mit sexueller Attraktivität gleichgesetzt, führt dies zu Sexualisierung des weiblichen Körpers bei gleichzeitiger Tabuisierung der körperlichen Abläufe weiblicher Sexualität.

Tatsächlich wird diese Theorie selbst von männlicher Seite bestätigt: „Young men start to have unreal expectations from real women […] and it’s truely stunning what woman feel obliged to do sexually with a man“ (Amsden 2003).

Naomi Wolf nennt das Problem beim Namen: „Normale“ Frauen haben das Gefühl nicht mehr mithalten zu können; sie fühlen sich eingeschüchtert durch die ständige Präsenz der „Cybervision of Perfection“; kurz gesagt: „Today, real naked women are just bad porn“ (Wolf 2003). Diese polemischen Aussagen lassen allerdings außer Acht, dass sich genügend Menschen, auch Frauen, einfach hin und wieder gern von sexuell explizitem Material inspirieren lassen.

Das Problem ist keineswegs dass es Pornografie gibt, sondern wie sie gemacht wird. Mainstream Pornografie stellt Frauen tatsächlich als ständig verfügbares Objekt dar, und schürt zudem unrealistische Erwartungen an Aussehen und Verhalten von Frauen – mehr noch - vor allem Vorgehensweise und Reaktion der weiblichen Sexualität. Mittlerweile gibt es ein gesteigertes Angebot, dass sich auch an Frauen richtet und somit komplexer und vor allem realistischer ist als herkömmliche Hardcore Filme. Viele Frauen interessieren sich heute für pornografische Darstellungen und definieren sich stark über ihre offen ausgelebte Sexualität. Visuelle Inspiration darf dabei nicht fehlen, gibt sie uns doch auch die Möglichkeit Frauen aus der Objektperspektive zu nehmen. Es sollte nicht vergessen werden dass zwischen medialer Botschaft auf der einen Seite und dem tatsächlichen Denken und Handeln auf der anderen Seite immer noch eines steht: unser kritisches Urteilsvermögen (vgl. Haaf, Klingner, Streidl 2008: 100-101).

 

6. Conclusio


 

Unser Privatleben wird mehr als uns dies oftmals bewusst ist vom gängigen Schönheitsideal beeinflusst. „Je mehr Zeit, Geld und Energie Frauen und Männer in Schönheitsprodukte und – anwendungen investieren, desto unzufriedener werden sie mit ihrem Aussehen“ besagt das Buch Wir Alphamädchen, und zahlreiche genannte Studien unterlegen dies in Winfried Menninghaus’ Buch Das Versprechen der Schönheit (2007) (vgl. Haaf, Klingner, Streidl 2008: 51). Unser Selbstbild wird an Hand präsenter Körper geformt, ob bewusst oder unbewusst, und es ist eine Tatsache dass unser Urteilsvermögen getrübt wird von medial geformten Körpern. Sie sind nicht real und verzerren doch unser Bild von „normal“, und damit von uns selbst. Ich möchte an dieser Stelle dazu aufrufen sich folgende Videos auf der Plattform YouTube.com anzusehen, und danach das eigene Selbstverständnis von Medien und Realität zu überdenken: http://www.youtube.com/watch?v=8dJujKM635s und http://www.youtube.com/watch?v=aHLpRxAmCrw&feature=related. Mit wenigen Handgriffen „erschafft“ der geübte User unsere Messlatte und erhält somit ein Mitspracherecht in Bezug auf unser tägliches Wohlbefinden. Wollen wir das? Wissen wir das überhaupt? Anstatt an „Problemzonen“ das eigene Befinden festzumachen, sollten wir uns der Tatsache stellen, dass viel zu oft die wirkliche Problemzone im Kopf entsteht: ein niedriger Selbstwert und die Angst ohne den „perfekten Körper“ nicht geliebt zu werden, keinen guten Sex zu haben, keine Freundschaften zu finden. Frauen sind das „schöne Geschlecht“, und müssen viel häufiger als Männer erleben, dass sie auf ihr Aussehen und ihren Körper reduziert werden. Doch die Männer holen auf. Gegen Hygiene- und Stylingmaßnahmen wie Körperhaare entfernen, Diät halten, reguliertes Essverhalten und Sport ist nichts einzuwenden. Es ist und war schon immer dem
Menschen ein inneres Bedürfnis sich zu orientieren und sich zu kultivieren. Doch wir sollten vorsichtig sein wer unsere Richter sind, in dieser Diktatur des Schönheitsmythos. Sind wir es noch selbst? Obwohl oft wiederholt und beinahe schon abgedroschen, dürfen Medien als Meinungsmacher auf gar keinen fall unterschätzt werden. Würde alles mit rechten Dingen zugehen gäbe es mehr als nur eine einzige bestimmte Vorstellung, was als schön gilt - und zwar eine westliche, die sich aber in alle Teile der Welt ausbreitet. Würde es mit rechten Dingen zugehen, würden wir nicht glauben dass guter Sex mit Idealmaßen in Zusammenhang steht. Vielleicht wäre so manche Frau weniger „prüde“,
würde sich mit mehr Begeisterung entkleiden ohne verschämt das Licht zu dimmen, würde sie sich nicht ständig selbst im Kopf mit dem mit dem Lieblingspornostar der Partnerin/des Partners oder einem Popstar vergleichen.

Würde es mit rechten Dingen zugehen, könnte man einer Frau oder einem Mann, der Sport betreibt, sich die Beine enthaart oder Diet hält, glauben, wenn sie sagen „Ich tue das für mich“.
Zwei Fragen sollten uns auf unserem Weg zum Glück begleiten: Wie authentisch ist meine Stimme? Wer hat die Macht über mein Privatleben? Arthur Schopenhauer in Aphorismen zur Lebensweisheit meint hierzu:

Einer sei jung, schön, reich und geehrt; so frägt sich, wenn man sein Glück beurteilen will, ob er dabei heiter sei: ist er hingegen heiter; so ist es einerlei, ob er jung oder alt, gerade oder bucklig, arm oder reich sei; er ist glücklich (Schopenhauer 1976: 21).
 

7. Bibliografie

Amsden, David. „Not Tonight, Honey. I'm Logging On“ (Oct. 2003). New York Magazine online auf http://nymag.com/nymetro/news/trends/n_9349/index1.htm (Last Visit:20.12.2008).

Degele, Nina. Sich schön machen – Zur Soziologie von Geschlecht und Schönheitshandeln. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004.

Haaf, Meredith; Klinger, Susanne; Streidl, Barbara. Wir Alphamädchen – Warum Feminismus das Leben schöner macht. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2008.

Posch, Waltraud. Körper machen Leute. Der Kult um die Schönheit. Campus, Frankfurt am Main/New York 1999.

Royal-Smith, Gwendolyn. "Bully Broads and Black Bitches: Another Chapter in Sexism and Racism in the Corporation" Paper presented at the annual meeting of the American Sociological Association, Marriott Hotel, Loews Philadelphia Hotel, Philadelphia, PA, Aug 12,
2005 Online <PDF>. 2006-10-05 http://www.allacademic.com/meta/p23362_index.html (Last
visit: 21.12.08).

Schopenhauer, Arthur: Aphorismen zur Lebensweisheit (1851). Insel Verlag, Frankfurt/M, Leipzig, 1976

Schwarzer, Alice. Die Antwort. Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2007

Wolf, Naomi: Der Mythos Schönheit. Reinbek (rororo) 1993, S. 236-251.

Wolf, Naomi. „The Porn Myth - In the end, porn doesn't whet men's appetites, it turns them off the real thing“ (2003) in New York Magazine online auf: http://nymag.com/nymetro/news/trends/n_9437/index1.html (Last Visit: 20.12.2008).


 

Gleichheit - Differenz

Karl-Franzens-Universität Graz


Mag. Sarah Marisa Gruber Glossarmappe zur LV 106.212 08S
VU Biographie und Religion
("Suffragetten und Girlies" - Frauengenerationen im Wandel)

Vortragende: Mag. Dr.theol. Maria Aigner

 

Gleichheit Differenz Dekonstruktion Gendermainstreaming

Gleichheit

Gleichheit ist ein Menschenrecht, und bereits seit dem antiken Griechenland eine Grundfeste der Demokratie. In unserem Raum werden die Ursprünge des Rechts auf Gleichheit wie alle Menschenrechte auf Humanismus und Aufklärung zurückgeführt. Man kann also sagen, dass das Streben nach "Gleichheit" historisch stets präsent war.

Bei näherer Betrachtung fällt jedoch auf, schon immer waren "alle Tiere gleich. Aber manche sind gleicher als andere" (Orwell 1945).

Tatsächlich ist es so, dass es dem Menschein eigen zu sein scheint zu trennen statt zu verbinden. Wir trennen das Ich vom Anderen durch Geschlechter, Staatsbürgerschaften, religiösen Zuordnungen und messen diesen Trennungslinien absolute Bedeutung bei.

Zugehörigkeit zum einen schließt zwangsläufig Zugehörigkeit zum Anderen aus.

An Hand dieses Ausschlussprinzips manövrieren wir uns durch den Alltag. Ein solches Konzept der Zuordnung ist einerseits wichtig, da es uns ermöglicht in komplexeren Rahmen zu agieren, andererseits gefährlich, da diesen Zuordnungen zumeist Hierarchien und Wertigkeiten eingeschrieben werden. Es kommt zu gruppenspezifischen Benachteiligung oder Herabwürdigung von Gruppen oder Individuen auf Grund von "Andersartigkei" – wobei es eine Frage der Wahrnehmung und Perspektive ist, worin die Andersartigkeit und worin die Gleichheit besteht.?

Im antiken Griechenland waren alle Bürger gleich. Tatsächlich galt der Gleichheitsanspruch jedoch nur für freie Männer; schloss also alle Leibeigenen, Nicht-Bürger und Frauen aus.
Der Humanismus der Aufklärung auf der unser heutiges Denken fußt, betraf ebenfalls nur eine eingeschränkte Bevölkerungsschicht; oder wie Dr.in Karin Schmidlechner der Karl Franzens Universität Graz es in einer ihrer Vorlesung ausdrückte: „Frauen hatten keine Aufklärung.“ Tatsächlich war der Wahlspruch der Aufklärung „Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ bis zu diesem Jahrhundert nicht an die Frauen der Welt gerichtet.

In Aphorismen zur Lebensweisheit schreibt Schopenhauer: "Zum Glücke der Kindheit trägt endlich noch folgendes bei: Wie im Anfange des Frühlings alles Laub die gleiche Farbe und fast die gleiche Gestalt hat; so sind auch wir, in früher Kindheit, alle einander ähnlich, harmonieren daher vortrefflich. Aber mit der Pubertät fängt die Divergenz an und wird, wie die der Radien eines Zirkels, immer größer" (Schopenhauer 1979: 211).

Diese Divergenzen trennten und trennen nicht nur Individuen voneinander sondern vor allem die Geschlechter.

Mit dem Einsetzen der Pubertät wird spätestens jegliche Gleichheit eliminiert, angefangen von sozialer Prägung bis hin zu rechtlicher Gleichstellung.

Seit 1918 dürfen Frauen in Österreich wählen, und Art. 3 des Grundgesetzes (GG) bestimmt: (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

In Menschliches, Allzumenschliches, Werke I - V., Bd. I geht Nietzsche sarkastisch auf die Bedeutung dieser Gleichheit ein: „Auch die Logik beruht auf Voraussetzungen, denen nichts in der wirklichen Welt entspricht, zum Beispiel auf der Voraussetzung der Gleichheit von Dingen“ (Nietzsche: 1979: 453 [I, 11]).

Sogar die rechtliche Gleichheit von Frauen in Österreich darf berechtigt bezweifelt werden. Selbst innerhalb feministischer Bewegungen wird die Bedeutung des Wortes Gleichheit heftigst debattiert. Gleichheitsfeministinnen gehen von der grundsätzlichen Gleichheit der Geschlechter aus, und erklären Unterschiede mit geschlechtsspezifischer Sozialisation und Aufgabenteilung.

Dieser Universalismus soll dem Individuum ermöglichen, nach ihren individuellen Fähigkeiten und Vorlieben und befreit von restriktiven gesellschaftlichen Geschlechterrollen zu leben. Tatsächlich ist es nicht Biologie die uns zu Frauen und Männern macht, sondern Normen.

Wie bereits Simone de Beauvoir verlauten ließ: „Man wird nicht als Frau geboren, man wird zu einer gemacht.“ ("Le deuxieme sexe" 1949) Geschlechterrollen sind kulturell, geografisch und abhängig von der Religion, unterschiedlich. "Typisch weiblich“ und „typisch männlich“ hat überall auf der Welt eine andere Bedeutung. Die kleinen Dinge, die alle Frauen „gleich“ und alle Frauen „anders als Männer“ machen, sind laut UniversalistInnen anerzogen und daher irrelevant. Tatsächlich bestätigen Studien der Neuzeit mehr und mehr die These, dass es innerhalb der Genus Gruppen mehr Divergenzen zu geben scheint als zwischen den Geschlechtern. Diese Studien gibt es mittlerweile zum Thema kognitive Wahrnehmung, Lernprozesse, Krankheitsbildern, Gewaltbereitschaft und vielem mehr. Scheinbar stellt der universalistische Ansatz endlich die geforderte Gleichheit der Geschlechter her; doch auch hier ist Vorsicht geboten.

Vieles mag für die Dekonstruktion von Geschlechterrollen sprechen und gegen biologische Dispositionen, doch damit könnte es den Universalistinnen ergehen wie einst Jacques Derrida, der feststellen musste dass Dekonstruktion ein nützliches Tool darstellt, aber für politische Zwecke nicht taugt, da am Ende der Nährboden für Agitation selbst dekonstruiert wird.

Frauenförderungsprojekte jeglicher Art würden somit ihre Berechtigung verlieren, und demnach an der Realität der diskriminierten Frauen weltweit vorübergehen. Tatsachen wie die, dass Frauen Kinder zur Welt bringen und dadurch berufliche Nachteile in Kauf nehmen müssen, oder Vergewaltigung nach wie vor ein strategisches Tool der Kriegsführung darstellt, sind Tatbestände die vom universalistischen Standpunk außer Acht gelassen werden. „Es ist eine uralte Lehre, daß Gleiches nur von Gleichem erkannt werde“ (Schelling 1978: 294) schrieb Friedrich Schelling und macht uns damit aufmerksam, dass wenn Frauen nicht die spezifischen Bedürfnisse und Belange anderer Frauen zur Kenntnis nehmen, sondern diese vielmehr negieren, der Tatbestand der Ungerechtigkeit nirgendwo auf der Welt ein Ende nehmen wird.
Demnach ist und bleibt Gleichheitsfeminismus ein interessantes aber politisch bedenkliches Konzept.

In ihrem Handbuch zur Frauenbildung verweist Wiltrud Gieseke auf die Besonderheiten des Gleichheitsbegriffes im agitativen Sinne: „Gleichheit muss immer erst gesucht, gefordert und hergestellt werden und setzt voraus dass das zu Vergleichende an sich verschieden ist“ (Wiltrud Gieseke 2001). Daraus kann ein politisches Statement - „Unter Demokratie verstehe ich, daß sie dem Schwächsten die gleichen Chancen einräumt, wie dem Stärksten“ (Mahatma Gandhi 1983: 29) - ebenso abgeleitet werden wie ein allgemein zwischenmenschliches: „Was ihr für den geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan.“
(Matthäus 25,40)

Bibliographie

· Orwell, George: Animal Farm 1945
· Arthur Schopenhauer: Aphorismen zur Lebensweisheit, Insel Verlag, Frankfurt/M, Leipzig, 1976 (VI)

· Simone de Beauvoir: Le deuxieme sexe 1949

· Friedrich Schelling: Über die Natur der Philosophie als Wissenschaft, Reclam Verlag, Stuttgart, 1978

Mahatma Gandhi: Ausgewählte Texte (Richard Attenborough (Hrsg.), Goldmann Verlag, München, 1983

Differenz

 

"Je geringer der Unterschied, desto größer  das Bedürfniss nach  Unterscheidung" 

 (Michael Richter 2006:72)

Am Anfang war das Ich.

Jean Piaget identifiziert die Unfähigkeit von Kindern, sich in die Rolle eines anderen hineinzuversetzen, den Blickwinkel eines anderen einzunehmen oder die eigene aktuelle Sichtweise (Wahrnehmung oder Meinung) als eine unter mehreren Möglichkeiten zu begreifen als Egozentrismus (vgl. Werner Stangls Arbeitsblätter 2007).

Nach der Abgrenzung in der Lancanschen Spiegelphase versucht der Mensch durch Kommunikation in Verbindung miteinander zu treten; er versucht „sich zu verständigen". Dennoch gehen die Kommunikationspartner erst einmal von sich aus, von ihrem ICH (vgl. Das Ich in der Kommunikation 2002).

Differenz ist demnach etwas dass wir primär als bedrohlich empfinden, denn es stellt unser kindliches Weltbild – wonach alles so ist wie ich es wahrnehme – in Frage.

Das erstellen von Dichotomien, wie Ich und der Andere, wird zum eigenen Bedürfnis nach Identifikation. Man braucht das Nicht-Ich um das eigene Ich erfassen zu können; und schreckt dabei vor Generalisierungen und Zuschreibungen nicht zurück. Spricht man von Ausländern, wird ignoriert dass sich diese nicht als Einheit definiert werden können. Unterschiede bezüglich Herkunft, Hautfarbe, Aufenthaltsdauer und Aufenthaltsbewilligung, geschweige denn kulturelle oder religiöse Zuordnungen werden nicht mitgedacht. Spricht ´Mann` von Frauen, so bilden diese eine homogene Masse.
Versucht man diesen Generalisierungen entgegenzuwirken, und nicht in binären - und oft hierarchischen – Oppositionen zu denken, scheint man vor dem unlösbaren Problem zu stehen: Wie viel Individualität verträgt meine Auffassungsgabe? Und denkt man noch einen Schritt weiter: Wie macht man Politik für so viel Individualität? Diese Fragen werden besonders dringend, wenn man bedenkt, dass solche Dichotomien die gesamte Menschheit in zwei Lager trennen: Männer und Frauen. Dass in anderen Ländern der Erde zu Weilen drei Geschlechter legal anerkannt sind, wird in der Eurozentrischen Wahrnehmung der Wirklichkeit sowieso ignoriert. Sind wir also alle anders?

„Frauen und Männer sind gleich! Männer und Frauen sind verschieden!
Diese beiden Sätze stehen sinnbildlich für eine Debatte, die seit Jahrzehnten mit ungewissem Ausgang geführt wird (Grüne Bildungswerkstatt online). Wie kann mit diesem Spannungsfeld umgegangen werden?
Aus historischer Perspektive lassen sich dabei zwei Phasen unterschieden:
Zu Beginn der feministischen Bewegungen stand die Forderung nach Gleichheit zwischen Mann und Frau bürgerliche Rechte betreffend. Systemimmanente Unterdrückungsmechanismen im privaten Raum wurden ebenso wenig hinterfragt wie das Wertigkeitssystem das Frauen dazu brachte „wie ein Mann“ sein zu wollen.

 

Als Weiterentwicklung feministischer Positionen gewann das Postulat der Geschlechterdifferenz an Popularität. Gynozentrischer, oder kultureller Feminismus begann mit dem Ende der 70er Jahre. Die "weibliche Differenz" - also der "kleine Unterschied" wird positiv bewertet, und Weiblichkeit generell aufgewertet. Das Ziel ist, eine neue weibliche Perspektive zu schaffen, die Rückkehr zu einer frauenspezifischen Eigenmacht (vgl. Feminismus Ist 2006).

 

Die Feststellung Frauen sind anders als Männer, und die damit einhergehende Homogenisierung der Genusgruppe Frau, sind bis heute Basis für „Frauenpolitik“, „Frauenförderung“ und „Frauensolidarität“. Scheinbar handelt es sich auch hierbei um eine dichotome Konstruktion, wie die eingangs erwähnte. Käme nun – von feministischer oder philosophischer Seite – der Einwand Individualität werde somit ausgelöscht, und innerhalb der Kategorie „Frau“ fänden sich ebenso viele Divergenzen wie zwischen den Geschlechtern – so wäre dies ebenfalls korrekt. Und würde in weiterer Folge jegliche „Frauenpolitik“ obsolet machen. Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit gerät in den Hintergrund, Biologismen werden ausgegraben und in Sendungen wie „Galileo“ als Volkswissen verkauft. Bücher wie „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ verkaufen Differenz als Pop-Anthropologie und klären auf „was wir ja schon immer gewusst haben“. Differenz wird als Natur gegen und unabänderlich dargestellt, und somit die trostspendende Dichotomie Ich und die Andere wiederhergestellt.
Die Sackgasse in der Diskussion um Gleichheit und Differenz liegt darin, der binären Logik des Entweder-Oder aufzusitzen: Entweder wird für Gleichheit oder für Differenz gekämpft, das eine schließe das andere aus. Aus einem Widerspruchspaar, das in einer permanenten und durchaus auch produktiven Spannung zueinander steht, wird ein Gegensatzpaar, das zur falschen Vereinfachung des Entweder/Oder zwingt (vgl. Grüne Bildungswerkstatt online).
Eine dialektische Herangehensweise setzt an die Stelle des Entweder-Oder ein Sowohl-Als Auch. Wie ein Kind dass lernen muss die Perspektive anderer zu erkennen und sich in seinem eigenen Handeln und Reden auf die Verständnismöglichkeiten des anderen einzustellen, müssen Frauen und Männer, im Alltag und in der Politik, lernen das Spannungsverhältnis von Gleichheit und Anders-Sein zu nutzen, um kreativ mehr Gleichheit, Freiheit und Solidarität zu schaffen. Die Aufmerksamkeit sollte von Fragen der Gerechtigkeit zu Fragen der Anerkennung verschoben werden. Zu der Forderung nach gleichem Recht, nach gleicher Teilhabe an politischen Prozessen und nach gleicher Verteilung der materiellen und immateriellen Güter sollte die Forderung nach der Wahrung von Eigenart und Besonderheit hinzukommen. Gleichheit zielt auf die Allgemeinheit ab, während die Betonung von Differenz das Augenmerk auf Besonderheit legt.

Gefordert wird Frauenpolitik in Hinblick auf die Verschiedenheiten von Frauen, Gendermainstreaming in allen politischen und wirtschaftlichen Bereichen und die persönliche Bereitschaft, sich nicht von Generalisierungen über Ausländer, Frauen, Moslems, Amerikaner, etc. zu simplistischen Meinungen hinreißen zu lassen – und zusätzlich das Zugeständnis von Differenz. Ein basales Verständnis für die Intersektionalität von Machtverhältnissen, wie ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht, Alter und Klasse muss die Voraussetzung sein, für relevante politische, pädagogische und persönliche Maßnahmen, um die Balance zwischen Anerkennung multipler Identitäten ohne das Auflösen konkreter Konzepte zu gewährleisten. „Je geringer der Unterschied, desto größer das Bedürfnis nach Unterscheidung“ (Richter 2006: 72) schreibt Michael Richter, und fasst damit das kindliche Bedürfnis zusammen, immer engere Kreise um das eigene Ich zu ziehen, um nicht die ureigene Annahme aufgeben zu müssen, dass die Welt sich um MICH dreht.

Bibliographie:

· Grüne Bildungswerkstatt Wien. Aus: Arbeitsgruppe Geschlecht:Frau gleich Mann http://www.gbw-wien.at/index.php?art_id=194 Zugriff August 2008
· Montada, Leo: Die geistige Entwicklung aus der Sicht Jean Piagets. In Oerter, Rolf & Montada, Leo (Hrsg.), Entwicklungspsychologie. Weinheim: PVU. (Kapitel 11) auf http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOGNITIVEENTWICKLUNG/Egozentrismus.shtml Zugriff August 2008
· Das Ich in der Kommunikation aus: Kommunikation und Konflikttraining im Rahmen der Lehreraus- und Weiterbildung. http://www.uni-oldenburg.de/germanistik-kommprojekt/sites/1/1_02.html#oben Zugriff August 2008
· Feminismus Ist... 23. Juni. 2006 aus: Gynozentrisches Knistern. http://www.spiritvoices.de/knistern/fem4.html Zugriff August 2008
· Michael Richter: Widersprüche, Mitteldeutscher Verlag, Halle/Saale, 2006

Dekonstruktion

Dekonstruktion (auch Dekonstruktivismus) ist ein philosophischer Begriff, der zuerst im Zusammenhang mit dem Werk von Jacques Derrida gebraucht wurde. Dekonstruktivisten hinterfragen, durchkreuzen und versuchen gerade durch Paradoxien Sinn zu schaffen. An Hand der Praxis der Dekonstruktion werden Stabilitäten und Wesenheiten von Identitäten hinterfragt und nach neuen politischen Wegen gesucht.
Praktisch gesprochen ist es die Aufgabe der Dekonstruktion die Grenzen der Begriffe der Gerechtigkeit, des Gesetzes, des Rechts, der wissenschaftlichen Begriffsbildungen, die Grenzen der Werte und Normen und Vorschriften (wieder) ins Gedächtnis zurückzurufen - die Grenzen der Begriffe und der Werte, die sich im Laufe dieser Geschichte durchgesetzt und die als selbstverständlich (als "natürlich") betrachtet und verstanden werden. Die Dekonstruktion ist die Befragung der Ursprünge, der Grundlagen und der Grenzen unseres begrifflichen, theoretischen und normativen Apparates (vgl. Sontag 2004 nach Derrida, Gesetzeskraft - Der mystische Grund der Autorität). Dekonstruktion ist eigentlich nie abgeschlossen ist, da sich immer wieder binäre Logiken herstellen.

„Mann“ und „Frau“ stellen in unserem Verständnis natürliche Entitäten mit oppositionellem Charakter dar. Neuere feministische Theorien beschreiben die binäre Wahrnehmung der Geschlechter jedoch als konstruiert. Die Trennung von Sex (biologischem Geschlecht) und Gender (das soziale/psychologische Geschlecht) war Beginn der 60er Jahre der erste Schritt Essentialismus zu dekonstruieren. Die Autorin Kate Bornstein bemerkt hierzu sehr treffend: “Definitions have their uses in much the same way that road signs make it easy to travel: they point out the directions. But you don´t get where you´re going when you just stand underneath some sign, waiting for it to tell you what to do ” (Kate Bornstein 1994 in Gender Outlaw – On Men, Women, and the Rest of Us). “Mann” und “Frau” als Entitäten werden somit dekonstruiert; das heißt als Begrifflichkeiten eines kommunalen Konsens enttarnt. Dekonstruktion macht uns erst auf die Grenzen unserer Wirklichkeit aufmerksam – eine Wirklichkeit die auf essentialistischen Annahmen beruht. Essentialismus in Bezug auf Geschlecht operiert auf 2 Ebenen:

Die erste essentialistische Annahme besagt, dass Geschlecht eine basale und stabile Eigenschaft des Individuums ist.. Es gilt in unserer Kultur als etwas Eindeutiges und von Natur aus Irreversibles. Wir sind in einem phallogozentrischen kulturellen System der Zweigeschlechtlichkeit verhaftet. Was wir als „normal“ und „natürlich“ verstehen, ist aber nicht in allen Länder und Kulturen so. Beispiele hierfür sind Hijras in Indien, Berdaches (Amerikanische Ureinwohner, Albanien), und Fakaleiti (Hawaii, Samoa, Französisch Polynesien). Geschlecht setzt sich entgegen der Annahme es sei eindeutig und selbstverständlich aus mehreren biologigischen und psychologischen Komponenten zusammen:

 

1. Das chromosomale Geschlecht
2. Das gonodale Geschlecht (männl.Gonaden = Hoden, weibl.Gonaden= Eierstöcke)
3. Das hormonale Geschlecht
4. Die inneren Geschlechtsorgane
5. Die äußeren Geschlechtsorgane
6. Das zugewiesene oder anerzogene Geschlecht
7. Die geschlechtliche Selbstidentität

Das Geschlecht nicht immer eindeutig sein muß, beweist auch ein prominenter Fall aus Österreich: Erik Schinegger (* 19. Juni 1948 in Agsdorf, Kärnten) ist ein ehemaliger österreichischer Skirennläufer, der wegen verwachsener Geschlechtsteile für eine Frau gehalten wurde. Unter dem Namen „Erika Schinegger“ wurde er 1966 Weltmeisterin im Abfahrtslauf.

Die zweite essentialistische Annahme – unser Hausverstand – besagt, dass für jede dieser beiden Kategorien – Mann und Frau –unterschiedliche Normen und Werte gelten, die sich meist in Stereotypen äußern. Sprich Essentialismus besagt: alle Frauen teilen dieselben Merkmale, die verschieden sind von allen die Männer teilen. Jedoch schon Simone de Beauvoir in Le Deuxième Sexe („Le deuxieme sexe“ 1949) stellte fest: „Man wird nicht als Frau geboren, man wird zu einer gemacht.“ Judith Butler nutzte in weiterer Folge Dekonstruktion um Beauvoirs Feststellung zu untermauern. In ihrem wichtigstem Werk Das Unbehagen der Geschlechter 1991 zeigt sie die Performanz von Identität auf. Laut Butler sind die Geschlechtskategorien „männlich/weiblich“ nicht naturgegeben, sondern werden kulturell geformt und immer wieder bestätigt, indem ständig gemäß diesen Kategorien gehandelt wird. Geschlechtsidentität (gender identity) beginnt mit dem Wissen und dem Bewusstsein, ob bewusst oder unbewusst, dass man einem Geschlecht (sex) angehört und nicht dem anderen. Geschlechtsrolle (gender role) ist das äußerliche Verhalten, welches man in der Gesellschaft zeigt, die Rolle, die man spielt, insbesondere mit anderen Menschen. Kate Bornstein unterstreicht das prozesshafte der Geschlechterzuordnung mit einem einfachen Beispiel: Wenn ein Transsexueller Mann sich zu einer Frau umoperieren lässt, wacht er nicht plötzlich auf und ist eine Frau. Ähnlich einer Bedienungsanleitung muss er ungeschriebenen Gesetzen folgen und Verhaltensmuster „erlernen“ um als Frau zu leben. Frau/Mann sein ist eine Rolle und muss gelernt werden. Wenn diese unendliche kulturelle Perfomanz (Doing Gender) der Geschlechtereinteilung anders gespielt werden würde, könnte die Macht gebrochen werden (Undoing Gender). Denn laut Butler wird durch die kulturelle Einteilung der Gesellschaft in Geschlechter wird Macht konstruiert und aufrechterhalten. Dekonstruktion schafft Angriffspotential für tradierte Begriffe, Zeichen, Sinn und Bedeutungen da sie aufzeigt dass diese an veränderbare Faktoren gebunden sind, also historisch, geographisch und kulturell spezifisch und wandelbar.

Als politisches Tool stößt Dekonstruktion jedoch an seine Grenzen, denn es ist, wie bereits eingangs erwähnt, eigentlich nie abgeschlossen. Immer wieder lassen sich binäre Logiken herstellen und es gilt, diese erneut zu dekonstruieren. Bei konsequenter Dekonstruktion, entziehen sich konkrete Konzepte jeder Definition und verurteilen zur Handlungsunfähigkeit. „Die Dekonstruktion, die Praxis der Dekonstruktion, ist nicht zu denken, ist nicht ´denkbar` ohne die ´différ/a/nce`, - nicht denkbar ohne das Denken der Differenz“ (Sontag 2004 nach Derrida, Gesetzeskraft - Der mystische Grund der Autorität). Es ist und bleibt jedoch ein notwendiges Werkzeug mit stark ethischer Komponente, da es Beziehungen zum Anderen öffnet, und das bislang Ungedachten oder Ausgeschlossenen zusammenführt.
 

Bibliographie:

· Domenica Sontag nach Derrida, Gesetzeskraft - Der mystische Grund der Autorität. http://web.utanet.at/gack/Dekonstruktion.htm, Version vom 20:34, 31. Dez 2004. Zugriff Juli 2008

· Kate Bornstein. Gender Outlaw – On Men, Women, and the Rest of Us 1994

Gendermanstreaming

Gendermainstreaming oder auch „Integration der Gleichstellungsperspektive“, oder „durchgängige Gleichstellungsorientierung“ (Gleichstellung 1996) wie es auch genannt wird, bezeichnet den politischen Versuch, die Gleichstellung der Geschlechter auf allen gesellschaftlichen Ebenen durchzusetzen. Seit den Amsterdamer Verträgen von 1997 ist Gender Mainstreaming offizielles Ziel der EU-Politik. Diese Methode der „geschlechtersensiblen Folgenabschätzung“ soll die strukturellen Ursachen für die Unterschiede zwischen Frauen und Männern analysieren und auf ihre Veränderung zielen.

Im Gegensatz zum landläufigen Verständnis ist Gendermainstreaming nicht gleich bedeutend mit Frauenförderung. Regierungen sind aufgefordert, in allen Politikfeldern und bei allen geplanten Maßnahmen nachzuprüfen, welche Auswirkungen ihre Politik auf die Situation der Frauen und der Männer hat. Auf Grund der gesellschaftlich benachteiligten Stellung der Frauen werden jedoch oft nur Maßnahmen publik, die dem weiblichen Anteil der Bevölkerung betreffen. Die Bereiche, in denen Fragen der Gleichstellung besonders relevant sind, tangieren jedoch offensichtlich Männer sowohl als auch Frauen. Beispiele hierfür sind die Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit, Versicherungssysteme, Partizipation an Mitsprache- und Entscheidungsstrukturen in Betrieben und Politik, Mobilität und Sicherheit, sowie soziale Dienstleistungen und Infrastruktur.
Praxisnahe Beispiele hierfür sind das Mitdenken von Geschlecht bei der Konzeption von öffentlichem Raum, wie Schulen, Höfe und Parks, flächendeckende Kinderbetreuungsstätten – auch im ruralen Raum, Implementierung von Gleitzeit Optionen in Betrieben, und vielem mehr. Wie wichtig dieses Bewusstmachen von Geschlecht sein kann, veranschaulicht der folgende Einzelbericht: Um Menschen nach längerer Arbeitslosigkeit den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu erleichtern, wurden in Graz in Kooperation mit großen wirtschaftlichen Betrieben Schulungen des AMS zu praxisnahen Zeiten angeboten – sprich schichtbetrieblicher Dienstbeginn um sechs Uhr morgens. Bei der Erstellung des Konzepts wurde auf Geschlecht keine Rücksicht genommen, und so geschah es dass der Schulungsraum leer blieb trotz 25 Voranmeldungen. Tatsächlich waren der Großteil der InteressentInnen Frauen; ohne Möglichkeit zu solch früher Stunde ihre Kinder in Betreuung zu geben. Auf die Tatsache, dass Kinderbetreuung nach wie vor vorwiegend, wenn auch nicht ausschließlich, Frauensache ist wurde keine Rücksicht genommen, und somit eine weitere Hürde zur Gleichstellung der Geschlechter am Arbeitsmarkt errichten anstatt diese abzubauen.

Ein weiterer Irrglaube betrifft den Wirkungskreis von Gendermainstreaming. Von der EU verordnet, besteht nur eine gewisse Verpflichtung zur Umsetzung in staatlichen Behörden und Betrieben. Wirtschaftliche Institutionen, denen hier größere Einflussnahme auf ein Massenspektrum unterstellt wird, unterstehen keiner Verpflichtung im Sinne des Amsterdamer Vertrages. Wer weiß dass ein Kriterium zur Vergabe von EU Fördergeldern die Einhaltung des Gendermainstreaming ist, wird sich nicht wunder warum so mancher wirtschaftlicher Betrieb dennoch mit „Gender Kompetenz“ für sich Werbung macht. Wesentlich am Gender Mainstreaming ist, dass es eine top down Aktivität ist, also von denen verordnet, die auch Umsetzungsmacht und Finanzierungsgelder bestimmen, und dies gilt sowohl in staatlichen als auch wirtschaftlichen Apparaten.


Gendermainstreaming als neues Tool der Gleichstellung birgt sowohl Vorteile, als auch Nachteile.
Ein dezidierter Vorteil besteht darin, 52% der Bevölkerung nicht mehr in die Rolle der Bittstellerinnen zu drängen. Frauenpolitik und Frauenförderung brachten mit sich, dass Frauen als „Problemgruppe“ wahrgenommen wurden, und ihre Forderungen oft gegen den Widerstand von Macht und Geld durchgefochten werden mussten. Nicht Frauen sind das Problem, sondern die gesellschaftlichen Strukturen, die Frauen benachteiligen und ihre selbstbestimmte Entwicklung begrenzen.

Es bestehen aber auch unleugbare Gefahren des Gendermainstreaming.
Eine Kritik von Seiten der Frauenbewegung ist, dass mit Gender Mainstreaming vielfach der Gedanke der Frauengleichstellung und der gezielten Frauenförderung verloren geht. Gender Mainstreaming darf Frauenförderung grundsätzlich nicht ablösen. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen in Österreich sind noch weit entfernt von diskriminierungsfrei, - ein Faktum welches traurigerweise von Frauen selbst oft angezweifelt wird. Datenerhebungen stehen frei verfügbar im Internet, sowie an Anlaufstellen wie Universitäten, dem AMS und Behörden wie dem Frauenreferat zur Verfügung (Angaben zur Lohnschere finden sich zum Beispiel immer aktuell auf dieStandard.at). Selbst Akademikerinnen können sich nicht einer „geschützten Schicht“ angehörig fühlen, ist doch Österreich an erschreckender 20sten Stelle innerhalb der EU betreffend dem lehrenden Frauenanteil an der Universitäten (Geschlechterstudien 2008). „Diskriminierung gibt’s nicht“ gibt’s nicht! Demnach ist die Notwendigkeit von spezifischer Frauenförderung nach wie vor gegeben.

Eine weitere Gefahr des Gendermainstreaming besteht darin, Geschlechterunterschiede zu zementieren beziehungsweise durch eine zu starke Fixierung auf die Unterschiede zwischen den Geschlechtern und die verkürzte Sichtweise, diese Unterschiede seien naturgegeben. Durch eine solche Anschauungsweise werden essentialistische Ansichten gefördert und wieder zu Wahrheiten deformiert. Wenn Gendermainstreaming heißt, dass die spezifischen Bedürfnisse von Frauen wieder als spezifische Bedürfnisse potenzieller Mütter betrachtet werden, kommen die alten Geschlechterrollen durch die Hintertüre zurück.
Weiters befürchten kritische Stimmen, dass Gender Mainstreaming vielfach als Feigenblatt dient, um strukturelle Ungleichheiten zu verdecken. Nicht Chancengleichheit stehe im Vordergrund, sondern die bestmögliche Erschließung der "Humanressource Frau" für den Markt (Nußbaumer 07). Ziel des Gendermainstreaming ist es nicht den Menschen die Freiheit zu geben so viel und so lang wie möglich zu arbeiten, sondern gleichwertige Entscheidungsmöglichkeiten zu haben.
Ein exemplarisches Beispiel hierfür wäre das Anbot an weibliche Grazer Universitätsbedienstete, Teilzeit zu arbeiten. Nach wie vor ist es schwierig, wenn nicht ausgeschlossen, mit Teilzeitbeschäftigung die gläserne Decke zu durchstoßen – Aufstiegschancen werden dadurch gering bis nicht vorhanden.

Zu den oben angeführten Gefahren die Gendermainstreaming mit sich bringt, sei auch noch auf die fehlerhafte Implementierung und Durchführung hinzuweisen.
Ursprünglich war Gender Mainstreaming als durchsetzungskräftige Strategie gegenüber den nationalen Regierungen gedacht, und wurde als solche 1995 auf der Weltfrauenkonferenz in Beijing entwickelt. Tatsache ist jedoch dass es an dieser Durchsetzung mangelt. Gendermainstreaming ist ein so genanntes "Soft Law", das - im Gegensatz etwa zur Antidiskriminierungsrichtlinie - nicht einklagbar ist. Wie genau Gender Mainstreaming-Maßnahmen auszusehen haben, ist weich formuliert; viele Institutionen würden ihre Pflicht mit gelegentlichen Weiterbildungskursen als erledigt betrachten. Ebenso weich wie die gesetzlichen Richtlinien sind bislang auch die Anforderungsprofile von Gender Mainstreaming-Beauftragten formuliert. Viele Mainstreaming-Beauftragte erhalten oft nur Kürzestschulungen von ein paar Stunden, in denen die Basics der Geschlechtertheorie und vielleicht ein wenig Verhaltenstraining vermittelt werde. Hier bedarf es an umfassenderer Ausbildungen und einem begleitenden Monitoring.

Es bleibt zu sagen, dass der Terminus Gendermainstreaming seine Funktion als Schlagwort für Chancengleichheit nicht erfüllt. Nicht nur in den Köpfen der desinteressierten Bürger bleibt der Begriff schwammig und bar jedem Agitationspotential. Ohne flankierende Aktivitäten bleibt Gendermainstreaming ein Steckenpferd das nach beliebt genutzt, benutzt und unverstanden bleiben wird.

Bibliographie:

• Frauenbüro der Stadt Wien. Nach: Mitteilung der Europäischen Kommission KOM (96) 67 endg. vom 21. Feb. 1996. http://www.gleichstellung.info/026/Glossar/ Zugriff August 2008

• Koordinationsstelle für Geschlechterforschung Karl Franzens Universität Graz. http://www.uni-graz.at/kffwww/Frauenf%F6rderung_warum.htm, Zugriff August 2008.

• DieStandard. http://diestandard.at/?url=/?id=2962617, Zugriff August 2008

• Martina Nußbaumer, 2.5.07 science.ORF.at, http://science.orf.at/science/news/147991

 

 

Die Gretchenfrage unserer Zeit: Wie hältst du´s mit der Vereinbarkeit von Karriere und Familie

Mag. Sarah Marisa Gruber
 

WAS EINST SCHON FAUST INS SCHWITZEN BRACHTE

erhitzt die Gemüter heute nicht minder. Aber wer hält´s denn heut noch mit der Religion? Die Rede ist von der neuen Gretchenfrage Wie hältst du´s mit der Vereinbarkeit von Karriere und Familie?

 

Aber wir sind nicht mehr zu Goethes Zeiten; gefragt werden jetzt die Frauen. Kaum ein Mann wagt sich an ein Statement mit unleugbar phyrischem Ende: entweder stellt er sich essentialistischen Anschuldigungen ein verkappter Patriarch (umgangssprachlich Macho) zu sein oder er outet sich als Kindes-Feind.

Aber die Debatte ist schon lange keine individuelle mehr die Mann und Frau allein miteinander führen. Iris Radisch hat die Problematik in ihrem Buch Die Schule der Frauen – Wie wir die Familie neu erfinden folgendermaßen erklärt:
Das Unglück der Familien ist strukturell, das Glück individuell geworden.

Wie immer man zur Doppelrolle der Frau, die wie ein Mann arbeitet und auch noch Mutter ist, steht, sicher ist: Wir haben dafür keine Vorbilder (vgl.: Radisch 2007: 103). Selbst Tochter einer vollzeitbeschäftigten Alleinerzieherin kann ich sagen es funktioniert, - aber bitte fragt nicht wie. (182).

Improvisationstalent und enorme Flexibilität sind Euphemismen für die Verrenkungen und Anforderungen die frau für solch eine Doppelverpflichtung mitbringen muss. Denn Patentlösungen gibt es keine und auch wenn Mustermütter wie die deutsche Familienministerin Ursula Van der Leyen oder altruistische Übermenschen/ Mütter wie Angelina Jolie scheinbar anderes vorleben, mühelos ist es nicht. Kinderfrauen, Aupairmädchen oder als Selbstständige/r von zu Hause aus zu arbeiten, sind Optionen die der Forderung der SPÖ-Bundesfrauenvorsitzenden Barbara Prammer und ihrer Forderung „Berufsausübung für Frauen muss die Norm sein“ (vgl: http://www.frauen.spoe.at/ireds3/page.php?P=15473) in die Hände spielen, aber nicht für jederfrau zugänglich sind. Die Rede ist hier von den so genannten Opportunitätskosten; den durchschnittlich 800Euro Betreuungsgeld die auf die durchschnittlichen 1,5 Kinder eines österreichischen Paares anfallen.

Fakt ist, dass mann und frau natürlich allerhand Bares sparen, wenn an die obligatorische Babypause noch die staatlich geförderte Karenz angehängt wird. Nach wie vor sind es die Frauen, die sich vorrangig um Kindererziehung und -betreuung kümmern. Der Homepage des Bundesministeriums für Gesundheit Familie und Jugend entnimmt man jedoch, dass man den Zahn der Zeit zu fühlen begonnen hat und ab 1. Jänner 2008 zwischen drei Karenz Varianten wählen kann.

Kinderbetreuungsgeld in der Höhe von 14,53 Euro täglich längstens bis zur Vollendung des 30./36. Lebensmonats des Kindes (entspricht rund 436 Euro monatlich)
Kinderbetreuungsgeld in der Höhe von 20,8 Euro täglich längstens bis zur Vollendung des 20./24. Lebensmonats des Kindes (entspricht rund 624 Euro monatlich)
Kinderbetreuungsgeld in der Höhe von 26,6 Euro täglich längstens bis zur Vollendung des 15./18. Lebensmonats des Kindes (entspricht etwa 800 Euro monatlich)
(http://www.bmgfj.gv.at/cms/site/attachments/2/4/7/CH0497/CMS1172567369047/fragen_und_antworten_zum_kbg.pdf)

 

Also steuern wir doch nicht auf eine neue „vaterlose Gesellschaft“ (Herman 2007: 74) zu, wie Eva Herman den Psychologen Alexander Mitscherlich und seine Prognose der Nachkriegszeit zitiert? Wird hier dem Vorwand Mutterschaft sei ein biologischer, Vaterschaft jedoch ein soziologischer Zustand vorgebeugt? Fakt bleibt, Mütter, die 2,5 Jahre Kindergeld beziehen, verlieren den Kündigungsschutz und somit den Arbeitsplatz. Sie suchen sich anschließend einen Job der oftmals heißt geringfügig beschäftigt zu sein oder in einem anderen prekären Dienstverhältnis zu landen (vgl: http://www.kindergeld-neu.at/folder.php).

 

Die österreichischen Grünen fassen eine traurige Wahrheit zusammen: Besser „Nein zum Kindergeld“ denn, seit der Einführung des Kinderbetreuungsgeldes bleiben Frauen noch länger vom Arbeitsmarkt fern und damit wird der Wiedereinstieg massiv erschwert (http://www.gruene.at/familie_55plus/karenzmodell/).

Also doch Männer gegen Frauen? Einer zieht den Kürzeren? Alexandra Kollontai propagiert die Idee der „wirklich befreiten Frau“, diese muss materiell vom Mann unabhängig sein und von den mit der Mutterschaft verbundenen Pflichten entlastet werden (vgl.: http://fembio.org/biographie.php/frau/biographie/alexandra-kollontai/) - um diese neue Unabhängigkeit dann als Sklave der Marktwirtschaft zu feiern unter dem Motto „Du kannst deinen Beruf so ungestört und unbeschränkt ausüben, wie man es von dir verlangt?“ (Radisch 175). Damit trifft der Vorwurf, feministische Bemühungen gehen weit über das Ziel der „Selbstbestimmung der Frau“ hinaus, und ebnen den Weg für eine neue Fremdbestimmung der Frau, indem ihnen ein „Muss zur Berufstätigkeit“ (zum Beispiel unter dem Deckmantel der Altersarmut) suggeriert werden soll, auf fruchtbaren Boden. Da hat Eva Herman schon recht, wenn sie meint dass „Die einfache Gleichung, Selbstverwirklichung erschöpfe sich allein in Berufstätigkeit, täuscht darüber hinweg, dass nicht viele Frauen die Chance haben, in einem Beruf zu arbeiten, der sie innerlich erfüllt“, (Herman 2007:31). Was würde es nützen „unproduktive Hausarbeit“ durch Volksküchen und kollektive Kindererziehung zu ersetzen, wie es die russische Volkskommissarin Alexandra Kollontai vorschlägt, wenn viele Frauen die eben nicht zur auserkorenen Elite der Berufstätigkeit als Quell der Kreativität - beschäftigt in Medien und Universitäten - gehören? „Was ist mit der Friseurin? Der Kassiererin im Supermarkt? Oft sind sie finanziell gezwungen zu arbeiten, oft aber auch gilt es einfach als schicker und zeitgemäßer, morgens aus dem Haus zu gehen, statt sich um die Familie zu kümmern, “ (Herman 2007:31).

 

 Also ein Klassenkampf? Profitiert von den familienfreundlichen Vereinbarkeitsmodellen von Kind und Karriere (Ganztagesschule, Teilzeit etc.) tsächlich nur die Akademikerelite? Gibt es einen gesellschaftlichen Impetus zur Berufstätigkeit? Können sich Frauen in Österreich überhaupt frei für Familien oder die Berufstätigkeit entscheiden?
Ziehen wir Bilanz: Das Thema Kinderbetreuung wird zum Kampf dem Patriarchat, Mann gegen Frau, und Kampf dem Klassizismus, Frauen gegen Frauen, sowie Staat und Wirtschaft versus Familien.
Siehst man sich die Fronten genauer an, stellt sich doch die Frage: warum sind diese Fragen überhaupt ein Frauenproblem?

 

Es ist eine landläufige Annahme dass Frauen von Natur aus altruistischer veranlagt seien als Männer, besonders was ihren eigenen Nachwuchs betrifft. Von Biologen wird dies als größeres „biologisches Investment“ der Mütter gegenüber den Vätern bezeichnet, tragen diese doch ihr Kind monatelang unter ihrem Herzen und nähren es mit dem eigenen Körper.
Jede Mutterliebe hat aber offensichtlich auch ihre Grenzen, und glaubt man dem SPÖ Abgeordneten Dietmar Keck, ist diese nun mehr erreicht: „Kinder dürfen kein Hindernis für ein berufliches Fortkommen sein“, (aus: Rede zum Nationalrat, 38. Sitzung, Stenographisches Protokoll, Nationalrat, XXII. GP). Die Frage nach Karriere oder Familie artet aus zur Frage nach dem survial of the fittest, vom Diskurs der Mutterliebe gelangt man nun direkt zur Kosten Nutzen Rechnung, und es wir penibel darauf geachtet wer mit den Kleinen den Kürzeren zieht.

In ihrem Buch Das Prinzip Arche Noah stellt Eva Herman die Frage: Alles bestens oder Fünf vor Zwölf? Sind wir bereits nicht mehr fähig als empfindende Menschen miteinander zu sprechen, sondern argumentieren lediglich als Mitglieder einer Leistungsgesellschaft, für die Gewinnmaximierung und Kostensenkung die wahren Lebensschienen sind? „Sollten wir nicht erkennen, dass das Humankapital – wir Menschen - häufig nur als ökonomisch brauchbares Allgemeingut dienen, die willig den Forderungen von Industrie, Wirtschaft und Politik nachkommen?“ (Herman 2007: 12).
Gute Frage, scheiden sich hier die weiblichen Geister? Während Liberaler Feminismus nach mehr individuellen Rechten der Frauen verlangt, stellt sozialer Feminismus größeres soziales Verantwortungsbewusstsein, besonders von Seiten der Männer, in den Brennpunkt.

 

Von der Gretchenfrage hängt ja bekanntlich alles ab;

wie halten wir`s denn nun mit der Vereinbarkeit von Karriere und Kind?

Womem know they can benefit economically by becoming achievers rather than caregivers, which will end in a society that will be oriented more toward achievement than care,” schreibt Wirtschafts Feministin Nancy Folbre in ihrem Buch The Invisible Heart – Economics and family Values (The New York Press 2001). Auch sie beschäftigt sich mit der schier unlösbaren Gretchenfrage unserer Zeit, formuliert diese jedoch wie folgt: „Do we glamorize a life that is relatively free of the burden of care?“ (Folbre 2001: 8). Die Antwort ist, ausnahmsweise eindeutig: Ja, mit Sicherheit.

Betrachten wir ökonomische Erklärungsansätze für Geschlechterdisparitäten am Arbeitsmarkt. Liest man zwischen den Zeilen besagt der Lohndifferential Ansatz doch, dass Jobs denen die Fürsorge für andere zu Grunde liegt (Lehrer, Pfleger, etc) weniger bezahlt werden können, da das wärmende Gefühl etwas Gutes zu tun für den geringeren Lohn entschädigt. Oder sollten Versorger-Jobs weniger bezahlt werden um sicher zu stellen dass diejenige(n) die sie ausüben, dies auch tatsächlich aus Gutmenschentum heraus tun? Denn wer sich für die Kinderaufzucht statt der Stelle als Verkäuferin entscheidet, tut dies doch sicherlich aus Kinderliebe? Oder doch eher aufgrund der Opportunitätskosten, die ein Paar mittleren Einkommens nicht zu tragen bereit ist?
Nehmen wir den Humankapitalansatz unter die Lupe. Zurzeit werden in Österreich drei Prämissen von Politik und Wirtschaft erstellt: 1.Der Staat braucht mehr Kinder, 2. Alle haben gleiche Chancen, 3. Der/Die Gebärende verliert an Humankapital und hat daher weniger Chancen am Arbeitsmarkt. Niemand möchte natürlich an Humankapital verlieren; die Zeit läuft und die persönliche Produktmaximierung (Ausbildung, körperliche Ertüchtigung, Selbstverwirklichung, etc) erhält schon von jungen Jahren an große Teile der Body,- Fitneß,- Mode,- und „Lebe deine Träume“- Seminar - industrie.
Drei Prämissen werden also gestellt unter dem Deckmantel der Gleichheit. Aber wer wird denn nun das Kind austragen? Bei allem Gender Mainstreaming ist das Gebären ein biologischer Nachteil, wen man es so sehen möchte, den die Politik nicht weg-assimilieren wird. Frauen bekommen Kinder. Und Frauen sind auch gerne bereit diese zu versorgen. Aber um jeden Preis?

Vielleicht ist es an der Zeit ein Fazit zu ziehen

Worum es hier geht, ist einer der basalsten Menschlichkeiten überhaupt, wie schon beim Mensch-Ärger-Dich-Nicht spielen der Kinder: Keiner will verlieren. Und zieht man alles bisher Gesagte in Betracht, können auf keinen Fall alle gewinnen.
Es geht gar nicht darum sich für ein Kinder-Küche-Herd Modell oder die Karriere entscheiden zu müssen; es geht darum dass wir in einer Welt der verschobenen Werte leben.
In diesem Teil der Welt wird Selbstliebe belohnt, und für die Nächstenliebe müssen wir zahlen. Für die Kinderfrau, die Krabbelstube, den Hort, die Eheberatung, das Lebe-deine-Träume-Seminar müssen wir zahlen. Das Weg-organisieren von sozialen Strukturen kritisierte auch Ex ARD Sprecherin Herman:
„Unsere Gesellschaft fällt auseinander und ist in ihren Strukturen häufig nur noch schwer zu verstehen: So werden kleine Kinder und alte Menschen immer häufiger aus den Familien ausgelagert und von wildfremden Menschen betreut, Männer wie Frauen stehen einander irritiert gegenüber und verzichten mehr auf Gemeinsamkeiten, während sie von politischen Seiten wiederum zunehmend gleichgemacht werden sollen. Deutlich wird dass nicht die Familien selbst entscheiden können, welche Lebensform sie wählen möchten, sondern der Staat vielmehr verstärkt Rechte herausnimmt, um „von oben“ zu steuern und sich die Gesellschaft so hinzubiegen, wie es für das wirtschaftliche System günstig erscheint,“ (Herman 2007: 187).

Aber auch Eva Herman übt sich in der Kunst der „Es kann nur eine(n Weg) geben“ Propaganda, und bezieht explizit Stellung zum Thema Karrierefrau: maskulines Auftreten, emotionale Härte (26), notorische Unzufriedenheit und Leere (28) unterstellt sie ihnen, und bezeichnet Emanzipation als Negation von Liebe und Bindungen (31).
Aber ihr Plädoyer für die „Klugheit des Herzens“ (32) macht dennoch durchaus Sinn:
Das Stichwort heißt Gemeinsamkeiten. Solange die Debatte zur Vereinbarkeit ein allgemeines Gegeneinander - Mann gegen Frau, kinderlose Frauen gegen Mütter, berufstätige Mütter gegen Vollzeitmütter, und Familien gegen Vater Staat – auslöst, und die Diskussion mit Begriffen wie Humanresource, Frauen als schlechtes Investment, und staatliche Betreuungsmaßnahmen für eine steigende demografische Entwicklung, Beschäftigungsberichte und Sanktionen, geführt wird, ist wahrscheinlich alles zu spät und Margarete muss sterben. „Wer war’s, der sie ins Verderben stürzte?“ (Faust I, Vers 4399).

„Instead of importing into the household priniciples from the marketplace, perhaps we should export to the wider society the relations suitable for mothering persons and children,“ (Held 1990: 288), schlägt Virginia Held in Beyond Self Interest vor, ein Titel der Programm werden sollte. In einer Familie gibt es noch so etwas wie Uneigennützigkeit. Niemand will zurück in die „gute alte Zeit“ in der der Mann der alleinige Versorger der Familie war, und Frau in die private Sphäre gezwungen wurde. Patriarchische Zustände sind inakzeptabel, aber das ist selbstsüchtiger Individualismus auch. Was wir brauchen sind weniger Arbeit, weiniger Kosten, mehr Platz. Gefragt sind Staat, Wirtschaft und der/die Einzelne.
Wie wäre es mit einem Mutter Staat? Eine die nährt und versorgt ohne Gegenleistung zu verlangen? Verbesserte Karenzmodelle [zum Beispiel das Karenzmodells der Grünen : acht Monate Anspruch auf 80% des Nettoeinkommens für jeden Elternteil, die als Voll- oder Teilkarenz genommen werden können ], oder das Mindestkarenzgeld - auch für Eltern, die vorher nicht oder nur geringfügig beschäftigt waren (vgl: http://www.gruene.at/faqs/#vier), bessere Gleitzeitmodelle, Zweidrittelstellen für beide Eltern und mehr Teilzeitangebote sind der Anteil den der Staat leisten könnte um nicht „familienfreundliche“, sondern familiäre Politik zu machen! Kindergärten und Hortplätze sollten steuerfinanziert werden wie Universitäten und Schulen, günstige Bereitstellung von Betreuungs- und Haushaltshilfen mit staatlicher Förderung würde neue Arbeitsplätze schaffen, und die arbeitenden Mütter entlasten.

Die Wirtschaft muss aufhören Frauen als potentielle Einkommensverlustquelle zu sehen, und anfangen sie wie Teile ihrer Familie zu sehen: Wünscht man seiner Schwester/Mutter/Frau drohenden Arbeitsplatzverlust nach angetretener Karenz? Mitarbeiterinnen sind die potenziellen Mütter ihrer zukünftigen Arbeiter, zufriedene Arbeitnehmerinnen die sich gerne für ihren Betrieb engagieren wenn dieser sich für sie engagiert! Diskriminierung ist nicht Frau = potentielle Mutter = potentiell verlustträchtige Humanresourche; diskriminierend ist die Überlegung an sich! Flexibilität von Seiten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind gefragt, und der Staat soll durch sinnvolle Subventionen seinen Teil dazu beitragen. Gerade im Dienstleistungssektor bei Klein- und Mittelbetrieben müsste eine flexible Umstrukturierung möglich sein:
Wird das Angebot von Teilzeit, Zweidrittelstelle und Gleitzeit verpflichtend, muss es steuerliche Erleichterung für diese Betriebsformen geben. Dies wiederum könnte zur Folge haben dass Klein- und Mittelbetrieben mehr Mitarbeiter einstellen können, und diese nach neuen, flexiblen Lohnstufenmodelle bezahlen: zum Grundlohn werden in „besseren Zeiten“ prozentuelle Lohnerhöhungen ausbezahlt, geht es dem Betrieb nicht so gut, gibt es den Grundlohn. Menschen die aus familiären Gründen nicht Vollzeit arbeiten gehen können, könnten sich für diese neuen Arbeitszeitmodelle entscheiden, und zahlen demnach mehr Steuern; finanzieren die Steuererleichterung also quasi selbst. Im Dienstleistungssektor diktieren Angebot und Nachfrage das Arbeitspensum; würde es staatliche Subventionen für Kinderbetreuungsstätten in den Betrieben geben, wäre es möglich länger zu arbeiten wenn es mehr zu tun gibt, und früher nach Hause zu gehen wenn weniger Arbeit ansteht. Durch das flexible Lohnstufenmodell können die Mitarbeiter auch in mageren Zeiten leichter gehalten werden, und sind dazu angehalten durch Motivation und Engagement selbst zur Besserung des Betriebsstatus - und demnach wieder mehr Lohn - beizutragen. Dann zählen auch Qualifikation und Einsatz wieder mehr als Dienstjahre, und beugen dem frustrierenden Phänomen der Pragmatisierung vor. Im öffentlichen Dienst finden sich leider zu oft alt-eingesessene Lohnbezieher, die ihr hohes Gehalt eben nicht Qualifikation und Einsatz verdanken, sondern ihrer Dienstzeit.
Solche Modelle müssten natürlich staatlich überwacht und reguliert werden, um ein Lohnparadoxon, wie am Beispiel Benzinpreise – hier gibt es regelmäßig Erhöhungen, jedoch nie Senkungen – zu vermeiden.
 

Auch Individuen müssen endlich umdenken:

Mitarbeiter in Klein- und Mittelbetrieben dürfen nicht auf ihren stetigen Lohn beharren, sondern müssten Verständnis zeigen wenn der Betrieb in Schwierigkeiten ist und vorübergehend mit weniger Stunden, und weniger Lohn zufrieden sein. Dann kann es auch ein Entgegenkommen auf Seiten der Dienstgeber geben.
„Familien brauchen geschenkte Zeit“ (183) sagt Iris Radisch und sie hat recht. Nicht Urlaube und Feiertagsausflüge bringen Eltern ihre Kinder wieder näher, sondern Zeit einfach so. Erziehung passiert hier und jetzt, nicht in der quality-time von 17:30 bis Schlafenszeit. Viele moderne Väter würden gerne einige Zeit zu Hause beim Nachwuchs bleiben, aber die Familie kann es sich nicht leisten, dass das Einkommen des Mannes wegfällt. 436,- Euro im Monat reichen da nicht aus, daher entscheiden sich nur 3 % der Väter ihren Karenzanteil in Anspruch zu nehmen. Ein bezahlte Babymonat für Väter, oder eben die oben genannten Gleitzeitmodelle, könnten es Männern erleichtern mehr als nur Versorger, sondern ein echter caregiver zu werden. Wer sich aber bewusst gegen die in der Einleitung erwähnten Verrenkungen entscheidet, darf dann nicht missgünstig sein: „Karrierefrauen“ müssen aufhören arbeitenden Müttern die Pflegeurlaubstage neidig zu sein, oder Kompensation für nicht-angetretene Karenz zu fordern.
 

Es darf nicht sein dass Selbstliebe belohnt, und Nächstenliebe bestraft wird.

Für jemanden zu sorgen darf kein low-prestige Job sein, sondern muss aufgewertet werden! Kinder, Alte, Kranke sind die „Schwächeren“ der Gesellschaft. In einer Familie wird das schwächste Glied beschützt und dies ist eine ehrenhafte und keine minderwertige Aufgabe.
Nur durch ein echtes Miteinander, Flexibilität und Umdenken von Politik, Wirtschaft und dem/der einzelnen könnte man eine neue Vereinbarkeit erreichen, und keiner verliert, sondern alles gewinnen.

 

Bibliographie:

• Radisch, Iris, 2007. Die Schule der Frauen – Wie wir die Familie neu erfinden, München: DVA
• Herman, Eva, 2007. Das Prinzip Arche Noah – Warum wir die Familie retten müssen, München und Zürich: Pendo
• Folbre, Nancy, 2001. The Invisible Heart – Economics and Family Values, New York: The New York Press
• Held, Virginia 1990. „Mothering versus Contract“ in Jane J. Mansbridge, ed., Beyond Self Interest, Chicago: University of Chicago Press

Internetquellen:
• Homepage des Bundesministeriums für Gesundheit, Familie und Jugend
http://www.bmgfj.gv.at/cms/site/attachments/2/4/7/CH0497/CMS1172567369047/fragen_und_antworten_zum_kbg.pdf, am 21.11. 07

• Kinderfreunde für Kindergeld – Neu
http://www.kindergeld-neu.at/folder.php, am 21.11.07

• Homepage der Grünen Partei Österreichs
http://www.gruene.at/familie_55plus/karenzmodell/, am 21.11.07

© Sarah Gruber
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